Maschinelle Übersetzung – trojanisches Pferd unserer Zeit?

Warum soll ich ein Übersetzungsbüro bezahlen, wenn es Google Translate gibt? Diese Frage stellen sich manche Unternehmen. Schließlich lassen sich maschinelle Übersetzungen kostenlos online anfertigen. Hier gehen wir auf die Gründe ein, sich auch im 21. Jahrhundert für Übersetzer aus Fleisch und Blut zu entscheiden.

Wohl jeder von uns hat schon einmal ein Übersetzungstool verwendet. Meist genügt es, den Text in ein dafür vorgesehenes Feld zu kopieren, die Sprache auszuwählen und auf „Übersetzen“ zu klicken. Einfach, schnell und häufig kostenlos.

Was liegt da näher, als sich auch für die Übersetzung von Handbüchern, Apps oder Webseiten das Geld für den Übersetzer zu sparen? Tatsächlich sind maschinelle Übersetzungen heute deutlich besser als noch vor wenigen Jahren. Einen Haken gibt es trotzdem, genauer gesagt mehrere.

Was sind maschinelle Übersetzungen? – Überblick über verschiedene Methoden

Grundsätzlich spricht man von maschinellen Übersetzungen, wenn nicht ein Mensch einen Text übersetzt, sondern eine Maschine beziehungsweise ein Computer. Die bekanntesten Übersetzungsdienste sind Online-Übersetzer wie Google Translate oder DeepL.

Maschinelle Übersetzungen sind älter, als viele Menschen wissen. Zum ersten Mal für Aufsehen sorgten sie in den späten 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Aber erst seit Kurzem ist wieder verstärkt von ihnen die Rede. Das liegt vor allem an technischen Weiterentwicklungen.

Die wichtigsten Methoden im Bereich maschinelle Übersetzung sind folgende:

Regelbasierte Übersetzung

Bei regelbasierten Übersetzungsprogrammen ist es notwendig, für jede Sprache grammatikalische Regeln zu definieren und Beziehungen zwischen Sprachpaaren herzustellen. Der Aufwand dafür ist hoch und das Ergebnis in der Regel wenig berauschend.

Statistische Übersetzung

Für statistische Übersetzungsprogramme sind große Mengen an Text in verschiedenen Sprachen notwendig. Bei der Übersetzung sucht das Tool nach Ähnlichkeiten und generiert so den Zieltext. Bei mangelnder Übereinstimmung fällt das Ergebnis entsprechend mangelhaft aus.

Neuronale Übersetzung

Neuronale Übersetzungsprogramme arbeiten mit künstlicher Intelligenz. Das bedeutet, sie lernen mithilfe neuronaler Netzwerke eigenständig dazu und optimieren sich so selbst. Das beliebte Übersetzungstool DeepL arbeitet auf diese Art. Die Qualität neuronaler Übersetzungen ist deutlich höher als die regelbasierter oder statistischer maschineller Übersetzungen.

Gut, aber nicht perfekt – typische Fehler von maschinellen Übersetzungen

Auf den ersten Blick sieht manche neuronale Übersetzung perfekt aus. Auf den zweiten weniger.

Das liegt an einigen grundlegenden Schwachstellen von maschinellen Übersetzungen:

  • Häufig berücksichtigen maschinelle Übersetzungen Negationen nicht.

Beispiel

Original: „do not click on “I run ads for someone else” unless you are an agency and you own the payments profile for that account”

Maschinelle Übersetzung: “Klicken Sie nur dann auf “Ich schalte Anzeigen für eine andere Person”, wenn Sie keine Agentur sind und Inhaber des Zahlungsprofils für dieses Konto sind.“

Korrekt: Klicken Sie nur dann auf “Ich schalte Anzeigen für eine andere Person”, wenn Sie eine Agentur sind und Inhaber des Zahlungsprofils für dieses Konto sind.

  • Online-Übersetzungstools haben Schwierigkeiten mit Humor und Metaphern.
  • Dasselbe gilt für Homonyme, also Wörter, die mehrere Bedeutungen haben.

Beispiel

Je nach Zusammenhang kann „Übersetzung“ im Englischen mit „Translation“ (für Sprachen) oder „Transmission“ (für Kräfte, zum Beispiel im Getriebe) übersetzt werden.

  • Für Fachübersetzungen ist eine spezielle, einheitliche Fachterminologie notwendig. Auch hier stoßen maschinelle Übersetzungen an Grenzen. Da reicht es schon, wenn ein Wort einmal so und beim nächsten Mal anders übersetzt wird. Nur bei Profi-Systemen lässt sich ein eigenes Wörterbuch einbinden.
  • Eine weitere Fehlerquelle bei maschinellen Übersetzungen besteht dann, wenn Sätze auf andere, vorhergehende Sätze Bezug nehmen. Auch hier wird deutlich, dass Übersetzungs-Maschinen immer noch Maschinen sind.

Wichtig: Was viele nicht wissen, ist, dass viele Anbieter von kostenlosen Übersetzungstools die zu übersetzenden und übersetzten Texte verwenden, um die Qualität ihrer Dienste zu verbessern. Es kann also sein, dass Ihre Neuentwicklung plötzlich nicht mehr ganz so geheim ist, wenn Sie sie Google Translate anvertraut haben. Einen echten Schutz vor Ausspähung bieten nahezu ausschließlich kostenpflichtige Pro-Versionen.

Wann eine maschinelle Übersetzung Sinn macht und wann nicht

Diese Frage lässt sich folgendermaßen beantworten:

  • Maschinelle Übersetzungen bieten sich an, wenn das Ergebnis nicht fehlerfrei sein muss und nur für Sie bestimmt ist. Wollen Sie schnell eine E-Mail für sich übersetzen oder einen Auszug aus einem Buch, spricht nichts gegen Google Translate.
  • Im professionellen Kontext sind menschliche Übersetzer die bessere Wahl. Nur sie können die entsprechende Fachterminologie, den Stil von Texten, Bezüge auf andere Textteile und Wörter mit mehreren Bedeutungen berücksichtigen – eben alles, was über die Bedeutung einzelner Wörter hinausgeht. Nur so können Sie darauf vertrauen, dass in wichtigen Vertragstexten, auf Ihren Webseiten oder in Bedienungsanleitungen alles stimmt.
Behalten Sie im Kopf: Speziell dann, wenn es um sicherheitsrelevante oder rechtlich bindende Inhalte geht, kommt es auf jedes Wort an. Aber auch im Marketingbereich kann eine fehlerhaft übersetzte Formulierung schwerwiegende Folgen nach sich ziehen, angefangen bei einem gravierenden Imageverlust.

Natürlich gibt es noch eine dritte Möglichkeit: Sie verwenden im ersten Durchlauf ein fortgeschrittenes Tool für die maschinelle Übersetzung und lassen das Ergebnis von einem professionellen Übersetzer überprüfen. Das bezeichnet man als Post-Editing. Ob sich diese Methode anbietet und welche Vorteile sie hat, hängt vom Einzelfall ab.

Sie suchen erfahrene Übersetzer für Post-Editing oder fehlerfreie technische Übersetzungen?

Kontaktieren Sie uns jetzt für ein unverbindliches Vorgespräch.